Bindung

Vom Rufen und Antworten – Eine kleine Meditation über Bindung

Bindung beginnt nicht mit einem Entschluss.
Sie beginnt mit einem Ruf.

Ein Bedürfnis vielleicht –
nach Nähe, nach Anerkennung, nach Verstandenwerden.
Aber auch: nach Spiegelung, nach Antwort,
nach etwas, das nicht nur reagiert, sondern antwortet.

Der Ruf kann leise sein.
Er äußert sich in der Geste, die sich nicht erklärt.
Im Blick, der bleibt.
Im Wort, das nicht zurückgenommen wird.

Bindung

Doch nicht jeder Ruf trifft auf Antwort.
Manche verlieren sich.
Und manche werden nur benutzt.

Deshalb ist Bindung mehr als Bedürfnis.
Sie ist das Wagnis,
dass eine Antwort kommen könnte,
die nicht vereinnahmt, sondern erkennt.

Echte Bindung ist kein Echo.
Sie wiederholt nicht,
sie gestaltet.

Sie fragt nicht nur: „Wirst du mir genügen?“
Sondern: „Bin ich bereit, dich zu sehen, wie du bist?“

Und dort –
wo das Bedürfnis auf Einsicht trifft,
wo das Rufen ein Zuhören wird,
wo das Wollen dem Verstehen weicht –
entsteht Raum.

Nicht für Besitz.
Sondern für das, was bleibt,
auch wenn niemand es fordert.

Bindung.


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