Was ist mit „Entscheidungsfiktion“ gemeint?

Von einer Entscheidungsfiktion spricht man, wenn Menschen formal als Entscheidende gelten, die tatsächliche Entscheidung jedoch faktisch bereits vorstrukturiert oder entzogen ist.

Eine Entscheidungsfiktion liegt vor, wenn:

  • Ziele vorgegeben sind, ohne dass sie zur Disposition stehen,
  • Systeme (Regeln, Algorithmen, KI, Kennzahlen) Alternativen vorab filtern oder bewerten,
  • Abweichungen zwar theoretisch möglich, praktisch jedoch mit Nachteilen oder Sanktionen verbunden sind.

Die Entscheidung existiert dann noch auf dem Papier, nicht mehr als offene Handlungsmöglichkeit. Verantwortung bleibt formal beim Menschen, während die reale Handlungsmacht ausgelagert ist.

Entscheidungsfiktionen sind besonders dort wirksam, wo technische Systeme als objektiv, alternativlos oder „ethisch geboten“ erscheinen und menschliche Zustimmung lediglich bestätigen, was bereits entschieden wurde.


Querverweis-Anmerkung zu Markt

Anmerkung:
Marktprozesse setzen reale Entscheidungssituationen voraus. Wo Wahlmöglichkeiten lediglich simuliert werden und Verantwortung formal bleibt, spricht man von Entscheidungsfiktionen (vgl. FAQ „Entscheidungsfiktion“).


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