Der Mensch nennt sich gern „Krone der Schöpfung“ – als Beweis für seine Sonderstellung, oft verknüpft mit den Begriffen Ich, Bewusstsein oder Seele. Doch dieser Anspruch sagt weniger über die Wirklichkeit aus als über die menschliche Bedürftigkeit, sich selbst zu erhöhen.
👉 Gegenmittel: Nicht im Besitzdenken verharren („wir sind vollendet“), sondern im Prozessdenken bleiben („wir sind unterwegs“).
Erklärung
Die Rede von der „Krone der Schöpfung“ blendet aus, dass Menschen in biologischer und kultureller Entwicklung nur eine Zwischenstufe darstellen.
- Ihre Fähigkeiten – Sprache, Nähe, Reflexion – sind wertvoll und einzigartig.
- Doch Überheblichkeit, sich selbst als Endpunkt zu sehen, verrät eher den langen Weg, der noch vor ihnen liegt.
Im Maßstab der Evolution sind hunderttausend Jahre ein Augenblick, kein Endpunkt. Wer die „Krone“ beansprucht, verwechselt Momentaufnahme mit Vollendung.
Historischer Seitenblick
- In der Bibel (Genesis 1,27) gilt der Mensch als „Ebenbild Gottes“.
- In der Renaissance wurde er zum „Maß aller Dinge“ erhoben.
Beides sind kulturelle Zuschreibungen – keine Endpunkte, sondern Spiegel ihrer Zeit. Morgen wird ein anderer Bezug gesetzt, und die Geschichte der Menschheit zeigt, wie wandelbar diese Selbstbilder sind.
👉 Perspektive: Entwicklung ist kein Besitz, sondern Prozess. Nur in diesem Bewusstsein lässt sich Freiheit gegen Versklavung, Würde gegen Entwürdigung, Koexistenz gegen Vereinnahmung verteidigen.
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Rubrik(en):
- Glossar Transhumanismus und Gegenbegriffe
- (optional) Glossar Widerworte und Gegenbegriffe