Sind Freie Städte nur Luxusresorts für Reiche?

Ob Freie Städte nur für Wohlhabende zugänglich sind, hängt nicht vom Konzept selbst, sondern von der konkreten Ausgestaltung ab. In der Praxis wird oft übersehen, dass viele Menschen in bestehenden Staaten bereits heute erhebliche Teile ihres Einkommens für Steuern und Abgaben aufwenden. In zahlreichen Industrieländern liegt die kombinierte Belastung aus Steuern und Sozialabgaben für Durchschnittsverdiener häufig im Bereich von mehreren zehntausend Euro pro Jahr – je nach Land und Einkommen nicht selten 30 % und mehr des Bruttoeinkommens.

Titus Gebel nennt in seinen Modellrechnungen einen jährlichen Beitrag von etwa 2.000 Euro für den Kernschutz von Leben, Freiheit und Eigentum im Rahmen eines Bürgervertrags. Im Vergleich zu bestehenden Steuer- und Abgabenlasten kann ein solcher Betrag für viele Menschen mit mittlerem Einkommen nicht automatisch als elitär gelten, auch wenn direkte Vergleiche wegen unterschiedlicher Leistungsumfänge nur begrenzt möglich sind.

Zudem existieren unterschiedliche Projektansätze: So ist etwa Morazán in Honduras als arbeitsorientierte Sonderzone konzipiert, was voraussetzt, dass die Grundbeiträge auch für geringere Einkommen grundsätzlich tragbar sein müssen. Entscheidend ist daher nicht das Etikett „Freie Stadt“, sondern die konkrete Vertragsgestaltung vor Ort.

Soziale Unterschiede werden sich – wie in jeder Gesellschaft – vor allem bei frei wählbaren Zusatzleistungen zeigen (Wohnstandard, Serviceangebote), nicht jedoch zwangsläufig beim Zugang zur Grundordnung selbst. Nach dem Modellverständnis gibt es keine prinzipielle soziale Aussortierung nach Einkommen, sondern eine vertragliche Grundmitgliedschaft mit optionalen Erweiterungen.

Kurz gesagt: Das Modell ist nicht als exklusives Luxusprojekt entworfen. Ob eine bestimmte Freie Stadt sozial durchmischt oder finanziell breit zugänglich ist, hängt von den konkreten Vertragsbedingungen und der wirtschaftlichen Struktur vor Ort ab – nicht vom Konzept selbst.


Quellen:

Titus Gebel: „Freie Privatstädte: Mehr Wettbewerb im wichtigsten Markt der Welt“, 3. Auflage 2023


Erstveröffentlicht am 11. September 2025 | Überarbeitet am 18. Januar 2026

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