Nach 1945 schien vieles erledigt. Regime waren gestürzt, Prozesse geführt, neue Ordnungen verkündet. Und doch zeigte sich bald, dass der Bruch weniger tief war, als es die Erzählung vom Neubeginn versprach.
Technokratie erklärt einen Teil dieser Kontinuität: Verwaltungsroutinen, Expertenmacht, Apparate, die unabhängig von politischen Farben weiterarbeiten. Aber sie erklärt nicht die Substanz der Herrschaft. Sie beschreibt das Werkzeug, nicht den Willen, der es führt.
Warum konnte ein Jurist wie Fritz Bauer, der auf Aufklärung drängte, nach dem Ende des Nationalsozialismus nur unter großen Schwierigkeiten wirken? Nicht, weil Technik versagte, sondern weil Milieus, Loyalitäten und Selbstschutzmechanismen fortbestanden. Die Prozesse waren abgeschlossen, die Mentalitäten nicht.
Herrschaft überlebt selten durch offene Ideologie. Sie überlebt durch Anpassung, durch das Umschreiben von Begriffen, durch das Verschieben von Verantwortung. Was gestern Gewalt hieß, heißt heute Notwendigkeit. Was gestern Gehorsam war, heißt heute Verantwortung.
In diesem Sinn braucht Entdemokratisierung keine neue Gesinnung. Sie greift auf alte Dispositionen zurück: Angst vor Freiheit, Sehnsucht nach Ordnung ohne Urteil, Bereitschaft zur Unterordnung unter das als „Sachzwang“ Ausgegebene.
Technokratie ist dafür ein ideales Mittel. Sie wirkt unpersönlich, alternativlos, neutral. Doch gerade diese Neutralität verschleiert, dass Macht weiterhin ausgeübt wird – nur leiser, diffuser, schwerer angreifbar.
Wer verstehen will, warum sich Geschichte nicht einfach abschütteln lässt, muss tiefer schauen als auf Verfahren und Institutionen. Entscheidend ist, welche Haltungen überdauern, welche Formen von Anpassung belohnt werden – und welche Formen von Wahrheit stören.
Ordnung entsteht nicht durch Technik.
Sie entsteht durch Menschen – und durch das, was sie bereit sind, fortzutragen oder zu verdrängen.
© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)