Wirklichkeit ist das, was unabhängig von unseren Vorstellungen existiert oder geschieht.
Sie umfasst Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge, Ereignisse, Zusammenhänge und Bedingungen. Wirklichkeit ist nicht davon abhängig, ob wir sie bemerken, verstehen oder richtig beschreiben. Sie geht unseren Wahrnehmungen, Beobachtungen und Deutungen voraus.
Der Mensch begegnet der Wirklichkeit niemals unmittelbar. Er nimmt sie wahr, beobachtet sie, beschreibt sie, interpretiert sie und ordnet sie in bestehende Vorstellungen ein. Zwischen Wirklichkeit und Vorstellung besteht deshalb immer ein Abstand. Aus diesem Abstand entstehen Irrtümer, Missverständnisse und Fehleinschätzungen, aber auch die Möglichkeit des Lernens.
Wirklichkeit widerspricht. Sie setzt Grenzen. Sie lässt sich weder durch Wünsche noch durch Befürchtungen dauerhaft verändern. Wer von einer Brücke springt, fällt. Wer einen Fehler macht, muss mit seinen Folgen rechnen. Wer Tatsachen ignoriert, kann sie nicht aufheben.
Deshalb ist Wirklichkeit der Ausgangspunkt jeder Erkenntnis. Lernen beginnt nicht mit Wissen, sondern mit der Begegnung mit Wirklichkeit. Diese Begegnung kann als Erfahrung, Überraschung, Widerstand, Enttäuschung, Erfolg oder Scheitern in Erscheinung treten. In jedem Fall fordert sie dazu auf, die eigenen Vorstellungen zu prüfen.
Wirklichkeit ist nicht mit Wahrheit gleichzusetzen. Wahrheit bezeichnet die Übereinstimmung einer Aussage mit der Wirklichkeit. Wirklichkeit besteht unabhängig davon, ob Aussagen über sie wahr oder falsch sind.
Für das Lernen ist diese Unterscheidung entscheidend. Irrtum bedeutet nicht das Scheitern von Erkenntnis, sondern gehört zu ihren Voraussetzungen. Vom „Dass“ eines Irrtums führt der Weg zum „Worin“ des Irrtums. Erst wenn Vorstellungen an der Wirklichkeit geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden, entsteht Lernen.
Anpassung hilft, innerhalb der Wirklichkeit zu bestehen. Lernen erweitert das Verständnis der Wirklichkeit. Gestaltung verändert Wirklichkeit innerhalb ihrer Grenzen.
Wer Wirklichkeit durch Wunschbilder ersetzt, verliert die Grundlage des Lernens. Wer Wirklichkeit ernst nimmt, erkennt nicht nur die Grenzen des Möglichen, sondern auch die Bedingungen verantwortlicher Gestaltung.
© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)