Achtsamkeit klingt wohltuend: innehalten, den Moment wahrnehmen, sich nicht von Hektik treiben lassen. Doch im Coaching- und Managementkontext wird Achtsamkeit zur Pflicht – ein Programm der Entschleunigung, das paradoxerweise in ein System eingebettet ist, das niemals entschleunigt.
Erklärung
- Achtsamkeit wird als Technik verkauft: Atemübungen, Meditation, Konzentration.
- Sie dient oft dazu, Menschen widerstandsfähiger gegen Druck zu machen – nicht, um Druck abzubauen.
- Im Zusammenspiel mit Solidarität und Empathie wird Achtsamkeit zum Test: Wer sich achtsam verhält, zeigt Anpassungsbereitschaft.
Beispiel
„Mit Achtsamkeitstraining stärken wir die Resilienz unserer Mitarbeiter.“
– typische Management-Formel
Abgrenzung
- Echte Achtsamkeit bedeutet Freiheit: selbst entscheiden, wann und wie man anhält.
- Als Pflichtprogramm jedoch ist sie nur eine weitere Steuerungsmaßnahme.
- In einer Welt, in der über 40 % der Menschen digital beobachtet werden, kann es keine Entschleunigung geben, solange Macht und Kontrolle unverändert bleiben.
Hinweis
Achtsamkeit im Coaching ist oft das Gegenteil dessen, was sie verspricht: Sie soll Menschen befähigen, schneller weiterzumachen – im Namen einer vermeintlichen Ruhe.
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