Mit der zunehmenden Digitalisierung gesellschaftlicher Bereiche verändert sich nicht nur die Art, wie Informationen verarbeitet werden. Es verändert sich auch das Verständnis vom Menschen. Daten erhalten eine wachsende Bedeutung für Entscheidungen in Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Alltag. Der Mensch erscheint dabei zunehmend als Erzeuger, Träger und Auswerter von Daten.
Diese Entwicklung bedeutet nicht, dass Daten an sich problematisch wären. Daten sind eine unverzichtbare Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis, technischer Entwicklungen und gesellschaftlicher Planung. Der datenzentrierte Humanismus beschreibt daher zunächst keine bestimmte Technologie, sondern eine Entwicklungslinie, in der Daten zum bevorzugten Bezugspunkt für das Verständnis menschlichen Handelns werden.
Dabei entsteht die Vorstellung, dass sich menschliches Verhalten immer umfassender erfassen, analysieren und vorhersagen lässt. Fortschritte in der Sensorik, der digitalen Vernetzung und der Künstlichen Intelligenz verstärken diese Entwicklung. Anwendungen zur Gesundheitsüberwachung, personalisierte Dienste oder algorithmische Entscheidungshilfen beruhen auf der Annahme, dass größere Datenmengen zu besseren Entscheidungen führen können.
Aus dieser Entwicklung gingen Konzepte hervor, die den Menschen zunehmend als Bestandteil umfassender Informations- und Datenverarbeitungssysteme verstehen. Begriffe wie Dataismus oder Quantified Self stehen exemplarisch für unterschiedliche Ausprägungen dieser Entwicklungslinie. Während der Dataismus Datenströmen eine zentrale Bedeutung für Erkenntnis und gesellschaftliche Organisation zuschreibt, richtet sich das Quantified Self auf die systematische Erfassung eigener Körper- und Verhaltensdaten. Beide Ansätze unterscheiden sich in ihren Zielen, teilen jedoch die Überzeugung, dass Daten einen wesentlichen Zugang zum Verständnis des Menschen eröffnen.
Mit der zunehmenden Datenerfassung entstehen zugleich neue Möglichkeiten der Bewertung, Prognose und Steuerung menschlichen Handelns. Algorithmen unterstützen bereits heute Entscheidungen in unterschiedlichen Bereichen, etwa bei der Auswahl von Bewerbern, der Kreditvergabe, der medizinischen Diagnostik oder der Einschätzung von Rückfallrisiken im Justizwesen. Solche Verfahren beruhen auf statistischen Wahrscheinlichkeiten und großen Datenmengen. Sie können menschliche Entscheidungen unterstützen, ersetzen jedoch nicht die Verantwortung für das Urteil.
Der datenzentrierte Humanismus bildet damit eine weitere Entwicklungslinie im Umfeld des Transhumanismus. Er verändert das Menschenverständnis nicht unmittelbar durch technische Eingriffe in den menschlichen Körper, sondern durch eine wachsende Orientierung an Daten als Grundlage von Erkenntnis und Entscheidung. Je stärker menschliche Wirklichkeit mit ihren digitalen Abbildern gleichgesetzt wird, desto wichtiger wird die Frage, welche Rolle Urteilskraft, Erfahrung und ethische Verantwortung künftig noch spielen.
Die folgenden Kapitel untersuchen deshalb nicht die Leistungsfähigkeit einzelner Technologien, sondern die Menschen-, Technik- und Gesellschaftsverständnisse, die mit dieser Entwicklung verbunden sind.
Schlüsselbegriffe
Beispiele
© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)