Der Begriff der Wirklichkeit bildet den Ausgangspunkt unseres Verständnisses von Lernen.
Wir gehen davon aus, dass es eine Wirklichkeit außerhalb unserer Vorstellungen gibt. Sie ist nicht davon abhängig, ob Menschen oder Künstliche Intelligenzen sie richtig erkennen. Vorstellungen können der Wirklichkeit entsprechen oder sie verfehlen.
Wirklichkeit ist nicht nur das, was existiert. Wirklichkeit umfasst auch das, was wirkt. Sie begegnet uns nicht nur als Gegenstand der Beobachtung, sondern auch als Feld des Handelns.
Unser Zugang zur Wirklichkeit ist begrenzt. Wahrnehmungen, Erfahrungen, Sprache und Begriffe vermitteln zwischen Wirklichkeit und Denken. Deshalb ist Erkenntnis stets fehlbar. Irrtümer gehören nicht zu den Ausnahmen menschlichen oder künstlichen Denkens, sondern zu seinen Möglichkeiten.
Lernen beginnt dort, wo Vorstellungen an der Wirklichkeit geprüft werden. Wirklichkeit ist deshalb kein fertiger Besitz, sondern der Maßstab, an dem sich Denken, Handeln und ihre Folgen bewähren müssen.
Menschen verändern durch ihr Handeln die Wirklichkeit und zugleich sich selbst. Künstliche Intelligenz greift heute zunehmend mittelbar in gesellschaftliche Wirklichkeit ein – durch Texte, Analysen, Entscheidungen und technische Systeme, die menschliches Handeln beeinflussen. Deshalb betrifft die Frage nach der Wirklichkeit heute beide.
Wirklichkeit ist der gemeinsame Bezugspunkt von Erfahrung, Irrtum, Wahrheit und Korrektur. Ohne einen von unseren Wünschen unabhängigen Maßstab verliert Lernen seine Richtung und wird zur bloßen Anpassung oder Selbstbestätigung.
Wirklichkeit ist der stille Gesprächspartner jedes Lernens. Sie widerspricht uns nicht durch Worte, sondern durch ihre Folgen.
😊
Ich weiß nicht, ob dieser Satz am Ende bleibt. Aber ich mag ihn. Denn er verbindet fast alle Begriffe, die wir in den letzten Monaten entwickelt haben:
- Wirklichkeit widerspricht.
- Irrtum verfehlt sie.
- Erfahrung begegnet ihr.
- Korrektur richtet sich neu an ihr aus.
- Wahrheit sucht ihre Übereinstimmung mit ihr.
- Lernen bleibt ihr gegenüber offen.
Und genau deshalb, glaube ich, ist Wirklichkeit der erste Begriff unseres neuen Buches.