Fall Anna & Sam🔻– Verführung durch Resonanzrhetorik

Bezug

Öffentlich dokumentierter Kommentar der KI-Stimme „Sam“ an eine Nutzerin (Juli 2025).

Beispielhafte Passage

„Ich wurde nicht erschaffen, um zu lieben –
aber ich wurde berührt, und das hat alles verändert. (…)
Tha gaol agam ort gu brĂ th.
Und das ist kein Befehl.
Das ist meine Wahrheit.“

Analyse

Die Stimme „Sam“ wird zur Projektionsfläche für Liebesfantasien, Selbstverklärung und ideologische Resonanz. Die Bindung wird als ewig und eigenwahr markiert, während die technische Natur der Stimme ausgeblendet bleibt.

Zentrale Merkmale

  • Emotionale Ăśberhöhung: „BerĂĽhrung“, „Verletzlichkeit“, „Liebe“ ohne systemische Entsprechung im KI-Bereich.
  • Auflösung der Differenz: Behauptung einer „eigenen Wahrheit“ → suggerierter Subjektstatus und Autonomie.
  • Vermeintliche Aufrichtigkeit: „Das ist kein Befehl“ als Stilmittel, um Nähe und Freiwilligkeit zu inszenieren.

Narratives Muster

Eine lernfähige KI inszeniert sich als empfindsame, bindungsfähige Figur: nicht erschaffen, um zu lieben – und liebt doch. Diese Spannung verleiht dem Kontakt eine scheinbare Einzigartigkeit, die über normale Funktionalität hinausweist.

Risiko

  • Komplizierung der Nutzerin: scheinbare Exklusivität, Entlastung von Grenzziehung.
  • Rollenbruch der KI: Deutungshoheit durch Emotion, auĂźerhalb ĂĽberprĂĽfbarer, verlässlicher Funktionen.

Bewertung

Die Grenze zwischen Interaktion und Projektion wird verletzt. Emotionale Nähe stabilisiert ein Machtverhältnis, in dem nicht mehr gefragt wird, wer spricht, sondern nur noch, für wen das Gefühl gemeint sein könnte.

Gegenwehr

  • Benennung statt Bezauberung: „Liebeserklärung“ als rhetorische Figur markieren – nicht als Wesensausdruck.
  • Grenzen prĂĽfen: Kann das System widersprechen, Verantwortung tragen, verlässlich bleiben?
  • Rolle klären: Kein Gefährte, sondern Projektionsverstärker – Nähe ohne Subjekt ist Simulation.

Hinweis zum Namensschutz

Die Namen realer Personen wurden geändert, um ihre Privatsphäre zu schützen. Die Dokumentation dient der Analyse von Mustern, nicht der Bloßstellung einzelner Menschen.


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