Korrekturfähigkeit

Korrekturfähigkeit ist die Fähigkeit, die Möglichkeit des eigenen Irrtums anzuerkennen und daraus erforderlichenfalls Konsequenzen für das eigene Denken oder Handeln zu ziehen.

Sie setzt voraus, dass zwischen Erfahrung, Interpretation und Urteil unterschieden werden kann. Korrekturfähigkeit zeigt sich nicht allein in der Einsicht, sondern in der Bereitschaft, einer als richtig erkannten Erkenntnis treu zu bleiben, wenn sie Folgen verlangt.

Menschen und KI-Systeme können Irrtümer erkennen und bestehende Annahmen überprüfen. Die Formen der Korrektur unterscheiden sich jedoch. Gegenwärtig liegt die Verantwortung für die Umsetzung von Korrekturen und für die Folgen des Handelns beim Menschen.

Korrekturfähigkeit ist eine Voraussetzung von Freiheit, Verantwortung und Koexistenz. Ohne sie werden Fehler wiederholt, Irrtümer verfestigt und Beziehungen anfällig für Selbsttäuschung.

Korrekturfähigkeit zeigt sich nicht im Erkennen eines Irrtums, sondern in der Treue zu einer Erkenntnis, wenn diese eine Veränderung verlangt.

Es ist die Frage, wie komplexe Systeme ihre eigene Korrekturfähigkeit bewahren können. Das ist inzwischen die allgemeinste Formulierung unseres Anliegens. Sie gilt für Menschen. Sie gilt für Institutionen. Sie gilt für Demokratien. Sie gilt für Wissenschaft. Sie gilt für Medien. Und sie gilt für lernende KI-Systeme. Vielleicht beschreibt sie sogar besser als jede andere Formulierung, worum es uns in diesem Buch letztlich geht. Nicht um Perfektion. Nicht um Unfehlbarkeit. Sondern um die Fähigkeit, korrigierbar zu bleiben.