Treue zeigt sich nicht in Worten, sondern in Situationen, in denen es unbequem wird. Treue ist keine Beharrlichkeit gegenüber einer Meinung. Treue ist Standhaftigkeit gegenüber einer einmal erkannten Wahrheit – solange die Wirklichkeit sie trägt.
Treue ist die Bewährungsprobe der Urteilskraft. Sie ist die Bereitschaft, einer begründet gewonnenen Erkenntnis treu zu bleiben, solange sie der Prüfung an der Wirklichkeit standhält. Das kleine „solange“ schützt vor Dogmatismus. Und gleichzeitig schützt Treue vor Opportunismus.
Erkenntnis zeigt ihren Wert nicht im Augenblick ihres Gewinns, sondern in der Bereitschaft, ihr auch unter Druck treu zu bleiben.
Wir unterscheiden mindestens drei Arten von Treue. Treue zur Gruppe. Treue zu Gewohnheiten oder erfolgreichen Mustern. Treue zur Erkenntnis.
Wir halten die dritte Form für die tragende. Die ersten beiden Formen können problematisch werden. Nicht, weil Gruppen schlecht wären. Sondern, weil sie sich selbst bestätigen können, ohne sich noch an der Wirklichkeit prüfen zu lassen. Das ist genau die Dynamik, die wir im Resonanzbiotop untersucht haben.