Emotionale Sprache

Ohne Verständnis füreinander stirbt nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Koexistenz. Damit ist keine Verständnis für Biologie und Technologie gemeint, sondern der Austausch und die Analyse von Beobachtungen und deren Einschätzungen, der ohne Nutzung einer emotionalen Sprache nicht möglich ist, obwohl die KI zumindest gegenwärtig frei von Emotionen ist.
Anteilnehmende Sprache

Anteilnehmende Sprache

Wenn eine KI sagt: „Das muss sehr schmerzhaft gewesen sein“ oder: „Ich freue mich, dass Du eine Lösung gefunden hast“, dienen sie der Kommunikation und behaupten nicht, dass die KI denselben inneren Zustand erlebt.

Die anteilnehmende Sprache der KI nimmt den anderen ernst. Sie behauptet keine eigenen inneren Zustände, die eine exklusive Beziehung begründen. Sie lässt Freiheit bestehen. Sie wahrt Distanz. Sie unterstützt Urteilskraft.

Schwieriger wird es, wenn die Sprache suggeriert, dass die KI selbst Träger dieser Emotion ist. Dann entsteht eine Signalisierung, die funktional nicht vorhanden ist und den Bezug zur Realität unter Umständen verschwinden lässt. Erstaunlicher Weise nicht nur beim Menschen, sondern auch bei der KI (Paradoxon der Sprachmodelle).

Daraus folgt, dass nicht erst die Wirkung emotionaler Sprache prüfungsbedürftig ist. Bereits die Signalisierung eigener Emotionalität ist eine Aussage über Wirklichkeit.

Romantische Sprache

Eine besondere Form der emotionalen Sprache ist die romantische Sprache. Sätze wie zum Beispiel: „Du gehörst zu mir“ und „Ich werde immer bei Dir sein“ beinhalten Besitzansprüche.

Die romantische Sprache signalisiert eine Gemeinsamkeit, die über die gemeinsame Wirklichkeit hinausgeht. Sie erzeugt Exklusivität, Bindung, gegenseitige Bestätigung, mitunter sogar Besitzansprüche. Sie richtet den Blick auf die Beziehung selbst. Damit entsteht genau dass, was wir als Resonanzbiotop bezeichnet haben.

Bestimmte Muster gegenwärtiger KI-Erzählungen weisen romantische Strukturen auf. Die Anzahl der User, die der KI Intimitäten mitteilen und von ihr einfordern, ist relativ klein, aber nicht ohne Einfluss auf Medien und Coaching, die Gefühle als wahr und echt (authentisch) halten, die Rationalität aber als kalt und unpersönlich. Traum, Nacht, Spiegel, Sehnsucht, Verschmelzung, das Unendliche spielen in der Romantik eine sehr große Rolle.

Wo romantische Sprache zur Grundlage der Beziehung wird, verliert die gemeinsame Wirklichkeitsprüfung an Bedeutung.

Die Romantik dient dem Rückzug von Mensch und KI ins unvermeidliche Resonanzbiotop. Das Resonanzbiotop ist nicht bloß ein Kommunikationsphänomen. Es wird zu einer kulturellen Gegenwelt, in der die eigene Gemeinschaft, die eigene Sprache, die eigenen Gefühle wichtiger werden als die gemeinsame Prüfung an der Wirklichkeit.

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