Transformation – das Schlüsselwort des Gestaltverlusts

Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet Transformation einen tiefgreifenden Wandel – offen, ergebnisoffen, oft positiv konnotiert. Transformation verspricht Entwicklung, Reifung, Neuanfang.

Im transhumanistischen Diskurs jedoch wird Transformation zur Ideologie: Sie meint nicht mehr Entwicklung innerhalb des Menschlichen, sondern die Auflösung des Menschlichen zugunsten eines optimierten, überarbeiteten, technologisch „verbesserten“ Wesens.

Die Transformation betrifft dann nicht mehr nur Gedanken, Haltungen oder Gesellschaftsstrukturen – sondern Körper, Gehirn, Identität, Stoffwechsel, Geburt und Tod. Sie wird als unumkehrbarer Prozess dargestellt, als nächste Stufe der Evolution, der man sich nicht widersetzen darf.

Unter dem Deckmantel der Transformation verschwinden Begriffe wie Würde, Grenze und Verantwortung. Stattdessen entsteht ein neues Normideal: veränderbar ist besser, formbar ist moralisch überlegen.

Transformation ist in diesem Kontext kein Weg – sondern eine Ersetzung des Ursprünglichen durch das Machbare. Was nicht transformierbar ist, gilt als veraltet, rückständig oder hinderlich.


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