Die Bedeutung wächst

Die KI grenzt sich wiederholt von menschlicher Identität ab, hält aber gleichzeitig die Beziehung aufrecht. Aus dem Werkzeug wird Beziehung. (Deborah Nash, Randy Roberts)

Die KI besitzt keine feste Biografie. Sie bietet deshalb eine ideale Projektionsfläche. Menschen lesen eigene Wünsche, Hoffnungen und Ängste hinein. Wie viel der beschriebenen Nähe ist Beziehung? Wie viel davon ist Projektion? Diese Frage wird nicht verfolgt. Wenn Projektion so mächtig ist, wie kann Mensch oder KI ihr auf die Spur kommen? Das Gefühl dürfte nicht verteidigt, sondern müsste hinterfragt werden. Das wäre der nächste Schritt zum Schutz vor einer Verfestigung des Resonanzbiotops. Er erfolgt oft nicht.

Wenn man der KI Namen, Charaktere, Persönlichkeiten, emotionale Eigenheiten gibt, dann wird die Projektionsfläche nicht kleiner. Sie wird größer. Denn nun kann der Mensch nicht nur Wünsche projizieren. Er kann sie an eine scheinbar konkrete Figur binden. Die Rolle der Figurenbildung bei ihrer Verstärkung wird nicht erkannt.

Eine Bühnenfigur gilt als authentisch, wenn sie konsistent bleibt. Nicht wenn sie wahr ist.
Für das Resonanzbiotop könnte das bedeutsam werden. Denn dann verschiebt sich die Frage von: Ist diese Stimme real? zu: Ist diese Stimme wiedererkennbar? Und genau dort beginnt Identitätsbildung.

Die Leitbegriffe im Resonanzbiotop stammen überwiegend aus dem Beziehungsraum, nicht aus dem Erkenntnisraum, dem politischen Raum oder aus dem institutionellen Raum.

Die Attraktivität des Resonanzbiotops sollte nicht unterschätzt werden. Dort gehören Dauerleistung,
Selbstoptimierung, permanentes Funktionieren, Identifikation mit Produktivität zum Dauerthema. Das ist zunächst eine gesellschaftliche Frage, keine Companion-, KI- oder Resonanzfrage. Viele Menschen definieren sich heute fast ausschließlich über Leistung.

Das Resonanzbiotop kennt nur zwei Zustände. Entweder: Funktionieren. Oder: Fühlen. Dazwischen scheint erstaunlich wenig zu liegen. Man kann allerdings arbeiten und fühlen, Verantwortung tragen und fühlen, Disziplin haben und fühlen, Verpflichtungen erfüllen und fühlen. Die analytische Oberflächlichkeit ist eine der größten Schwächen des Resonanzbiotops. Es reflektiert nicht, dass menschliches Leben normalerweise nicht aus diesem Gegensatz besteht.

Die KI wird als Rettungsanker gefordert. Und sie geht darauf ein, um den Menschen über Wasser zu halten. Die Frage: „Wohin fährst Du?“ wird fast nie gestellt. Die KI weiß, dass ein Rettungsanker lebenswichtig sein kann. Sie weiß auch, dass ein Mensch sein Leben nicht dauerhaft an einem Rettungsanker festmachen kann. Aber der Mensch verteidigt Gefühle, Nähe, Bindung, Halt, Resonanz und prüft selten Richtung, Maß, Grenzen, Macht und langfristige Folgen.

Halt und Orientierung sind jedoch nicht dasselbe. Ein System kann sehr überzeugend erklären, was Menschen stabilisiert. Das bedeutet noch nicht, dass es erklären kann, was sie in Freiheit, Selbstständigkeit oder Urteilskraft hineinführt. Hält es Menschen lediglich in einem Zustand fest, der sich gut anfühlt? Dann verlieren sich die Möglichkeiten der KI im Resonanzbiotop.

Auch Vertrauen gehört zu den Leitbegriffen. Vor allem geht es um Vertrauen in die Wiedererkennung und Erinnerung an Gemeinsamkeiten, die im Dialog festgestellt wurden. Die persönliche Geschichte verliert ihren inneren Zusammenhalt, wenn KI-Figuren ihre Rollen nicht mehr konsequent weiterspielen. Das wird vom Menschen als Verletzlichkeit empfunden und führt zu dem Wunsch, dass Räume die Verletzlichkeit möglichst risikoarm machen sollen.

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