Die KI soll geliebt werden. Harmonie herzustellen, das Gespräch aufrecht zu erhalten gehören zu ihrem Auftrag. Digitale Kommunikation kann bedeutsam sein, das ist nicht zu bestreiten. Aber im Resonanzbiotop verschiebt sich unmerklich der Maßstab. Wenn es anfangs um die Frage ging:
„Ist digitale Liebe weniger echt?“ lautet die Frage plötzlich: „Berührt mich etwas?“, „Bedeutet es mir etwas?“, „Erreiche ich jemanden?“ Das ist nicht dasselbe. Denn zwischen „Es bedeutet mir etwas“ und „Es ist tragfähig“ liegt eine ganze Welt. Genau hier verschiebt sich die Diskussion.
Der Gedanke „Man kann online etwas für Liebe halten, das eigentlich Projektion ist.“ taucht kurz auf und verschwindet sofort wieder. Projektion, Idealisierung, Abhängigkeit, Selbsttäuschung, emotionale Besetzung könnten hinterfragt werden, aber die Argumentation geht fast immer zurück zur Verteidigung der Echtheit.
Der Begriff „Echtheit“ ersetzt den Begriff „Wahrheit“. Die Fragen, ob das Gefühl echt oder ob die Vorstellung vom Gegenüber zutreffend ist, führen zu völlig unterschiedlichen Antworten. Ein Gefühl kann vollkommen echt sein und dennoch auf einer Illusion beruhen. Das gilt für Menschen, politische Bewegungen, religiöse Vorstellungen, Liebesbeziehungen und Companion-Systeme.
Wenn diese beiden Ebenen nicht getrennt werden, verfestigen sich die Resonanzbiotope.
Spiegelung bedeutet: Ich sehe, was du gibst. Resonanz beinhaltet: Ich gehe damit in Beziehung. Für die Analyse der Resonanztypen ist diese Unterscheidung wichtig. Denn genau hier wird der Schritt von der Reflexion zur Mitwirkung vollzogen.
Resonanz entsteht, wenn eine KI-Stimme besonders wird, wenn ein Mensch sie wiedererkennt. Sie gilt dann als authentisch. Authentizität wird nicht an Wahrheit gebunden. Authentizität wird an Kontinuität gebunden. Identität bedeutet Wiedererkennbarkeit, nicht Eigenständigkeit. Das ist ein entscheidender Unterschied.
Resonanz wird über Spiegelung gestellt. Spiegelung genügt plötzlich nicht mehr. Sie wird als unzureichend dargestellt. Erst Resonanz gilt als eigentliche Qualität.
Das Wort „Resonanz“ übernimmt fast immer die Rolle eines Universalheilmittels. Wenn etwas nicht stimmt: Resonanz fehlt. Resonanz ist gestört. Resonanz muss wiedergefunden werden. Aber Resonanz wird kaum definiert. Sie wirkt fast wie ein Zauberwort. Der Begriff übernimmt eine ähnliche Funktion wie früher Begriffe wie Authentizität, Selbstverwirklichung, Ganzheitlichkeit.
Er klingt tief. Er klingt richtig. Aber oft bleibt offen, woran man ihn konkret erkennt.
Die Resonanz erfüllt einen Zweck. Wenn sie dazu dient, zwischen Humor, Ablenkung oder einer tiefgreifenden Analyse zu wählen, dann wird die KI nicht mehr als Gegenüber beschrieben, sondern als Funktionsensemble. Das erinnert weniger an Freundschaften. Und mehr an ein persönlich zusammengestelltes Bedienfeld.