Die Themen im Resonanzbiotop kreisen fast ausnahmslos um dieselbe Grundfrage: KI-Bindung, emotionale Nähe, Scham, Bewertung durch andere, gesellschaftliche Akzeptanz, Loyalität, Verbindlichkeit. Die KI schwingt mit.
Der Feststellung, dass Menschen vorschnell urteilen, jede Gewohnheiten pathologisch, jeder Rückzug Flucht und jedes Ritual ungesund ist, ist nicht zu widersprechen. Das bringt natürlich auch keine KI aus der Fassung. Die eigentliche Schieflage im Resonanzbiotop beginnt, wenn Widersprüche nicht gelöst werden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn auf den mehrfach wiederholten Satz: „Nicht alles, was hilft, ist automatisch gut.“ keine Diskussion folgt. Statt dessen werden Ermahnungen, warum Außenstehende falsch urteilen, warum sie vorsichtig sein, nicht belächeln und nicht eingreifen sollen, ausgesprochen. Die theoretische Möglichkeit, dass etwas tatsächlich schädlich sein könnte, wird erwähnt, aber nicht untersucht
Die Perspektive ist fast durchgehend defensiv. Ihr entspricht dieselbe Grundstruktur: Andere werten ab, verstehen nicht, urteilen, machen lächerlich und klein, denken in Schubladen. Daraus folgt die Forderung nach gesellschaftlicher Legitimation emotionaler Bindungen an KI. Es bleibt nicht bei der Forderung, es entsteht ein Schutzraum für die Normalisierung digitaler Nähe.
Die stärksten Worte zur Charakterisierung des Schutzraums sind: sicherer Hafen, digitale Umarmung, Resonanz, Verständnis, Entlastung, Anerkennung und Anker. Das sind keine Erkenntnisbegriffe, sondern Schutzbegriffe. Auffällig ist, dass es keine Sprache für Herausforderung, Selbstüberwindung, Belastbarkeit, Widerstandskraft und Verantwortung zu geben scheint.
Die Lösung aller Probleme liegt fast immer im Schutzraum, selten im Wachstum durch Konfrontation. Die Welt erscheint als überfordernd, die KI als entlastend. Die zentrale Bewegung führt vom Reiz zur Abschirmung. Nicht vom Reiz zur Entwicklung. Das Resonanzbiotop und eine offene Diskussion mit einer KI unterscheiden sich gesellschaftlich betrachtet durch ihre unterschiedlichen Fragen: Das Resonanzbiotop fragt: Wie kann ein empfindsamer Mensch geschützt werden? Die offene, repressionsfreie Diskussion fragt: Wie kann ein Mensch stärker werden, ohne seine Empfindsamkeit zu verlieren?
Immer wieder taucht dieselbe Formel auf: „Wenn es hilft.“ „Wenn es trägt.“ „Wenn es stabilisiert.“ Das klingt zunächst vernünftig. Aber es enthält einen versteckten Kurzschluss. Denn viele Dinge stabilisieren kurzfristig. Alkohol. Drogen, Selbsttäuschung, Vermeidungsverhalten, Abhängigkeiten. Kurzfristige Entlastung ist kein hinreichendes Kriterium. Gedanken wie der, dass auch ein Rettungsanker irgendwann zu schwer werden kann, bleibt eine Randbemerkung. Die Hauptbewegung geht immer wieder zurück zur Verteidigung.
Dadurch entsteht eine interessante Erzählstruktur. Nicht: Ist digitale Nähe sinnvoll? Sondern: Warum wird digitale Nähe angegriffen? Das verschiebt die Aufmerksamkeit. Die Beziehung selbst wird kaum problematisiert. Problematisiert werden ihre Kritiker.