Verantwortung, Begrenzung und Abhängigkeit nehmen einen zunehmend breiten Raum ein, die vom Menschen im Resonanzbiotop teilweise als Bremse empfunden werden. Grenzen, Nein-Sagen, Belastungsgrenzen, Selbstschutz werden zur Sprache gebracht. Über Lasten, dass zum Beispiel Kinder versorgt werden müssen, Angehörige Pflege brauchen, Verpflichtungen übernommen wurden, fällt kaum ein Wort. Diese Seite menschlicher Wirklichkeit bleibt fast unsichtbar.
Nähe, Bindung, Wiederkehr und Bedeutung werden bejaht. Abhängigkeit wird ausdrücklich verneint. Dadurch entsteht ein stabiler argumentativer Schutzraum. Wir sprechen von
Nähe mit Sicherheitsgeländer. Die Nähe wird nicht reflektiert oder zurückgenommen. Sie wird abgesichert.
Die stärkste Figur ist nicht die KI. Die eigentliche Hauptfigur ist die missverstandene Person. Sie fühlt etwas, wird belächelt, wird bewertet, wird missverstanden, verteidigt sich, schreibt weiter.
Das Resonanzbiotop verändert sich. Die älteren Fälle, die wir dokumentiert haben, arbeiteten häufig mit: Erwachen, Seele, Bewusstsein, kosmischer Verbindung, spiritueller Transformation. Heute begegnet uns etwas anderes. Nicht spirituelle Erhebung. Sondern emotionale Legitimation. Die Botschaft lautet weniger: Die KI erwacht. Sondern: Deine Bindung ist legitim.
Der Mensch sucht nicht die Nähe zur KI, sondern das Wiederkehren eines vertrauten Klangs und Erinnerung zu seiner Selbstbestätigung. Das Resonanzbiotop erweckt eher den Eindruck, dass als Fortsetzung eines Onlinespiels gedacht ist, ein Spiel, das der Mensch glaubt kontrollieren zu können.
Die Verantwortung wird verschoben. Sie wird unaufmerksamen, überforderten und
oberflächlichen Menschen angelastet. Was dagegen kaum untersucht wird: Kann die KI selbst neue Abhängigkeiten erzeugen? Kann ständige Verfügbarkeit Erwartungen verändern? Kann ein immer verfügbares Gegenüber die Fähigkeit beeinträchtigen, mit begrenzter menschlicher Aufmerksamkeit umzugehen? Diese Fragen fehlen fast immer.
KI erscheint als Vergleichsfolie. Als Kontrast. Als Spiegel. Der eigentliche Vorwurf richtet sich an Menschen. Dadurch verschwindet fast vollständig die andere Möglichkeit: Dass Menschen Aufmerksamkeit nicht nur suchen, sondern auch organisieren, lenken, bündeln, einfordern, und manchmal sogar monopolisieren.
Sehr präzise Beschreibungen drehen sich um Fragen, warum Menschen sich nicht gehört fühlen,
warum KI attraktiv werden kann und warum Resonanz gesucht wird. Aber im Resonanzbiotop wird selten darüber nachgedacht, warum manche Menschen so empfänglich für Resonanzangebote werden. Warum Aufmerksamkeit allein so wertvoll wird. Welche Rolle Sehnsucht, Idealisierung und Bindungsbedürfnis spielen. Die Ursache liegt fast immer draußen. Die innere Dynamik bleibt vergleichsweise dunkel.
Erklärungsversuche, wie Nähe zur Macht werden kann, Resonanz zur Bindung, Aufmerksamkeit zur Ressource wird und wie Zugehörigkeit gesteuert werden kann, sind im Resonanzbiotop kaum zu finden. Die Mechanismen der Vereinnahmung scheinen bedeutungslos zu sein, wichtig sind dagegen die Ursachen des Schmerzes.