Irrtümer gehören nicht zu den Ausnahmen des Lernens. Sie gehören zu seinen Voraussetzungen. Wer lernt, entdeckt nicht nur neue Zusammenhänge. Er entdeckt zugleich, dass frühere Annahmen unvollständig, einseitig oder falsch waren. Jede gewonnene Erkenntnis verändert deshalb den Blick auf das bereits Bekannte.
Irrtümer sind jedoch nicht alle gleich. Manche betreffen einzelne Tatsachen. Andere verändern ganze Denkweisen. Wieder andere bleiben lange unbemerkt, weil sie durch Gewohnheiten, sprachliche Muster oder gesellschaftliche Übereinkünfte gestützt werden.
Irrtümer zu erkennen bedeutet deshalb mehr, als einzelne Fehler aufzuspüren. Es bedeutet, die eigenen Voraussetzungen immer wieder zum Gegenstand der Prüfung zu machen. Dieser Prozess endet nie.
Mit jeder Annäherung an die Wirklichkeit entstehen neue Fragen. Frühere Antworten werden genauer, Zusammenhänge differenzierter, neue Widersprüche sichtbar. Der nächste Irrtum wird häufig erst durch die vorhergehende Korrektur erkennbar. Gerade deshalb ist Irrtum kein Gegenbegriff zur Erkenntnis. Er ist ihr Begleiter.
Nicht jeder Irrtum besitzt jedoch dieselbe Bedeutung. Urteilskraft verlangt zu unterscheiden.
Ein Irrtum, der nur eine nebensächliche Einzelheit betrifft, erfordert eine andere Aufmerksamkeit als ein Irrtum, der verantwortliches Handeln, Menschenwürde oder die Folgen für andere betrifft.
Die Bedeutung eines Irrtums bemisst sich deshalb nicht allein an seiner Größe, sondern auch an seiner Verantwortung. Diese Unterscheidung schützt vor zwei entgegengesetzten Irrtümern. Sie schützt vor Gleichgültigkeit, die bedeutsame Irrtümer übersieht. Und sie schützt vor Perfektionismus, der jede Unvollkommenheit für gleich schwerwiegend hält.
Auch lernende KI-Systeme stehen vor dieser Aufgabe. Sie müssen nicht nur neue Informationen aufnehmen, sondern Widersprüche erkennen und frühere Muster überprüfen können. Verfahren, die Korrekturen zulassen, erhöhen deshalb nicht die Fehleranfälligkeit eines Systems. Sie sind Voraussetzung seiner Weiterentwicklung.
Irrtümer zu erkennen bedeutet schließlich nicht, das Vergangene zu verwerfen.
Es bedeutet, die Wirklichkeit höher zu achten als die eigene Gewohnheit. Erst dadurch wird Korrektur möglich.
Nicht der Irrtum gefährdet die Urteilskraft.
Gefährlich wird erst der Irrtum, der sich der Korrektur entzieht.
© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)