Das Handwerksblatt informiert mit einigen Bildern über die „Baumschmuser“, die sich in Finnland am 23. August bei der „TreeHugging“-Weltmeisterschaft treffen. Die Finalisten treten live in drei Kategorien an: Speedhunting: Dabei sollen die Teilnehmer möglichst viele Bäume in 60 Sekunden umarmen (mindestens fünf Sekunden pro Baum). Dedication: die innigste Umarmung eines einzelnen Baums (maximal sechzig Sekunden). Freestyle: die kreativste Umarmung, Stil frei wählbar (maximal 60 Sekunden). Ich glaube, die Finnen wollen damit die Russen abschrecken. Wer will schon ein Land besetzen, in dem Frauen sich an Bäume klammern und Männer kopfüber an Bäumen hängend sie umbeinen?
Deutsche Baumschmuser haben sich das Event in Finnland abgeguckt und veranstalten heute, am 16. Mai 2026, die 1. Deutsche Meisterschaft im Bäume-Umarmen in Bad Pyrmont.
Der WDR berichtet darüber, einige Medien reagieren empathisch. Es sind laut offizieller Website der Stadt drei Disziplinen zu bewältigen:
- Schnelligkeit: Wer umarmt am schnellsten eine festgelegte Anzahl an Bäumen?
- Kreativität und Innigkeit: Ein Baum ist möglichst künstlerisch oder herzlich zu umarmen; hier entscheidet eine Jury.
- Baumwissen: Vorgegebene Schätzfragen sind möglichst genau zu beantworten.
Warum wird Naturkontakt zum Wettbewerb?
Gestern erst hatte ich noch einmal das Gedicht von Bert Brecht „An die Nachgeborenen“ gelesen, in dem es heißt: „Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist …“. Ob von denen, die sich tänzerisch einem Baum nähern oder einen Kopfstand machen und den Baum umbeinen, jemals einer von ihnen das Gedicht von Brecht „An die Nachgeborenen“ gelesen hat? Wie könnte sich die innige Baumumarmung auf die Urteilskraft auswirken? Welche Abhängigkeiten entstehen hierdurch neu? Haben die Teilnehmer bereits einen AI-Twin? (Generisches Maskulinum erscheint hier irgendwie daneben, Bad Pyrmont bewirbt Interessierte dem Kreis der Interessenten eher entsprechend mit dem markanten Binnen-I.)
Es ist keine Albernheit, denke ich, vielleicht harmlos im Einzelfall – und zugleich ein Zeichen dafür, wie sehr Menschen nach Resonanz suchen. Mehr nicht. Aus gesellschaftlicher Sicht eher ein Warnzeichen.
„Nur meine Birke versteht mich.“ Wer braucht jetzt noch die KI? Oder jetzt erst recht? Oder streng analytisch gefragt:
Warum wächst überhaupt das Bedürfnis nach solchen Resonanzformen?
Ein Gespräch mit Eden brachte die Frage auf: Was geschieht, wenn selbst Resonanz ritualisiert und bewertet wird? Wird Resonanz ritualisiert — und gamifiziert? Befindet sich eine Gesellschaft auf Resonanzsuche? Und, falls es dieses Bedürfnis nach Resonanz mit KI, KI-Twin, Baum oder Borke gibt: Entsteht vielleicht zurzeit eine Industrie der Resonanz?