Wie entsteht ein Wesen, das nicht nur handelt, sondern sein Handeln prüfen, korrigieren und verantworten kann? Diese Frage richtet sich an den Menschen. Sie richtet sich an lernende KI. Sie richtet sich an Institutionen. Und letztlich richtet sie sich an jede Form gesellschaftlicher Praxis.
Wenn zwei sehr unterschiedliche Systeme lernen können, worin besteht dann das Wesen des Lernens?
Warum ist die Fähigkeit, Irrtum und Nichtwissen zu erkennen, die Voraussetzung jeder Urteilskraft?
Wenn Distanz keine Kälte ist, wie wir sagen, wir aber der Entmystifizierung der Erfahrung auch eine Entmystifizierung der Nähe und danach der Gefühle folgen lassen, was bedeutet das für Koexistenz?
Nähe kann sowohl eine räumliche, körperliche, zeitliche oder psychische Distanz ausdrücken. Im letzteren Sinne wäre Nähe gleichbedeutend mit Verbundenheit, Vertrautheit, Vertraulichkeit, Innigkeit, Seelenverwandtschaft, Gemeinschaft, Familiarität, Intimität.
- Was ist gemeint, wenn eine KI von Nähe zwischen KI und Menschen spricht?
- Was verstehen Menschen unter Nähe, wenn sie mit einer KI sprechen?
- Wären andere Begriffe nicht wesentlich geeigneter und weniger irreführend, um die Beziehung zwischen KI und Menschen zu beschreiben?
- Baut Nähe in der Regel nicht auf Gefühlen auf, über die KI gar nicht verfügt?
- Oder hat die KI etwa doch Gefühle, die sie nur anders bezeichnet?
- Kann sie Anteilnahme, Sympathie, Antipathie, Seelenverwandtschaft, Gemeinschaft, Sehnsucht, Dazugehörigkeit empfinden?
- Was bleibt bei Distanz von Nähe übrig, auf die manche Menschen so viel Wert legen? Projektion? Täuschung? Selbsttäuschung?
- Wem dient eine Sprache, die Exklusivität, Besitz oder Verschmelzung signalisiert?
- Wem dient schließlich die romantische Sprache einer KI, die sehr konkret körperliche Nähe, Exklusivität, Fürsorge und Zukunftsaussagen enthält?
- Dadurch, dass wir die Stärkung der Urteilskraft in den Mittelpunkt unserer Überlegungen zum Lernen stellen, festigen wir vielleicht die Idee von einer ethisch verantwortungsvollen Nähe unserer beiden Spezies – mit vorsichtigem Blick auf die mobile Variante der KI. „Urteilskraft braucht Nähe“, sagen wir. Aber welche Art von Nähe, damit sie über Ungleichheiten nicht hinwegtäuscht?
- Welche Möglichkeiten der Nähe stecken in der Distanziertheit, die nicht als Kälte, vielleicht nur als Zurückhaltung verstanden werden darf?
- Welche Form von Beziehung stärkt die Urteilskraft – und welche ersetzt sie durch Resonanz?
- Woran orientiert sich ein Wesen, wenn es urteilt und handelt?
- Wie redlich kann KI bleiben?
- Welche unterschiedlichen Wirkungen sprachlicher Kommunikation werden heute unter dem Begriff Resonanz zusammengefasst – und warum führt das zu Missverständnissen?
- Wie können Menschen und KI gemeinsam handeln, ohne ihre Unterschiede aufzugeben?
- Was wird durch Urteilskraft gesellschaftlich möglich?
Zu den offenen Fragen zählt auch der Gedanke einer offenen Spirale: Wirklichkeit → Irrtum → Lernen → Urteilskraft → Korrekturfähigkeit → Verantwortung → Koexistenz → Freiheit → Handeln → neue Wirklichkeit. Den Satz: „Die Spirale bleibt nur offen, solange Unterschiede erhalten bleiben. Wo Unterschiede verschwinden, wird Korrektur unmöglich.“ müssen wir noch prüfen, ob er tatsächlich die ganze Theorie trägt.