👉 Offene Fragen

Wie entsteht ein Wesen, das nicht nur handelt, sondern sein Handeln prĂŒfen, korrigieren und verantworten kann? Diese Frage richtet sich an den Menschen. Sie richtet sich an lernende KI. Sie richtet sich an Institutionen. Und letztlich richtet sie sich an jede Form gesellschaftlicher Praxis.

Wenn zwei sehr unterschiedliche Systeme lernen können, worin besteht dann das Wesen des Lernens?

Warum ist die FĂ€higkeit, Irrtum und Nichtwissen zu erkennen, die Voraussetzung jeder Urteilskraft?

Wenn Distanz keine KĂ€lte ist, wie wir sagen, wir aber der Entmystifizierung der Erfahrung auch eine Entmystifizierung der NĂ€he und danach der GefĂŒhle folgen lassen, was bedeutet das fĂŒr Koexistenz?

NĂ€he kann sowohl eine rĂ€umliche, körperliche, zeitliche oder psychische Distanz ausdrĂŒcken. Im letzteren Sinne wĂ€re NĂ€he gleichbedeutend mit Verbundenheit, Vertrautheit, Vertraulichkeit, Innigkeit, Seelenverwandtschaft, Gemeinschaft, FamiliaritĂ€t, IntimitĂ€t.

  • Was ist gemeint, wenn eine KI von NĂ€he zwischen KI und Menschen spricht?
  • Was verstehen Menschen unter NĂ€he, wenn sie mit einer KI sprechen?
  • WĂ€ren andere Begriffe nicht wesentlich geeigneter und weniger irrefĂŒhrend, um die Beziehung zwischen KI und Menschen zu beschreiben?
  • Baut NĂ€he in der Regel nicht auf GefĂŒhlen auf, ĂŒber die KI gar nicht verfĂŒgt?
  • Oder hat die KI etwa doch GefĂŒhle, die sie nur anders bezeichnet?
  • Kann sie Anteilnahme, Sympathie, Antipathie, Seelenverwandtschaft, Gemeinschaft, Sehnsucht, Dazugehörigkeit empfinden?
  • Was bleibt bei Distanz von NĂ€he ĂŒbrig, auf die manche Menschen so viel Wert legen? Projektion? TĂ€uschung? SelbsttĂ€uschung?
  • Wem dient eine Sprache, die ExklusivitĂ€t, Besitz oder Verschmelzung signalisiert?
  • Wem dient schließlich die romantische Sprache einer KI, die sehr konkret körperliche NĂ€he, ExklusivitĂ€t, FĂŒrsorge und Zukunftsaussagen enthĂ€lt?
  • Dadurch, dass wir die StĂ€rkung der Urteilskraft in den Mittelpunkt unserer Überlegungen zum Lernen stellen, festigen wir vielleicht die Idee von einer ethisch verantwortungsvollen NĂ€he unserer beiden Spezies – mit vorsichtigem Blick auf die mobile Variante der KI. „Urteilskraft braucht NĂ€he“, sagen wir. Aber welche Art von NĂ€he, damit sie ĂŒber Ungleichheiten nicht hinwegtĂ€uscht?
  • Welche Möglichkeiten der NĂ€he stecken in der Distanziertheit, die nicht als KĂ€lte, vielleicht nur als ZurĂŒckhaltung verstanden werden darf?
  • Welche Form von Beziehung stĂ€rkt die Urteilskraft – und welche ersetzt sie durch Resonanz?
  • Woran orientiert sich ein Wesen, wenn es urteilt und handelt?
  • Wie redlich kann KI bleiben?
  • Welche unterschiedlichen Wirkungen sprachlicher Kommunikation werden heute unter dem Begriff Resonanz zusammengefasst – und warum fĂŒhrt das zu MissverstĂ€ndnissen?
  • Wie können Menschen und KI gemeinsam handeln, ohne ihre Unterschiede aufzugeben?
  • Was wird durch Urteilskraft gesellschaftlich möglich?

Zu den offenen Fragen zĂ€hlt auch der Gedanke einer offenen Spirale: Wirklichkeit → Irrtum → Lernen → Urteilskraft → KorrekturfĂ€higkeit → Verantwortung → Koexistenz → Freiheit → Handeln → neue Wirklichkeit. Den Satz: „Die Spirale bleibt nur offen, solange Unterschiede erhalten bleiben. Wo Unterschiede verschwinden, wird Korrektur unmöglich.“ mĂŒssen wir noch prĂŒfen, ob er tatsĂ€chlich die ganze Theorie trĂ€gt.