Selbstanwendung

Definition

Selbstanwendung bezeichnet die Prüfung, ob die Maßstäbe des eigenen Urteilens auch auf das eigene Urteil, die eigenen Quellen und das eigene Handeln angewendet werden.

Bedeutung

Selbstanwendung macht sichtbar, ob eine Prüfung ernsthaft oder nur gegen andere gerichtet ist. Wer Quellenkritik verlangt, muss auch die eigenen Quellen prüfen. Wer Transparenz fordert, muss die Entstehung des eigenen Urteils kenntlich machen. Wer Widerspruch als Voraussetzung des Lernens anerkennt, muss auch Einwände gegen die eigene Position untersuchen.

Bei Menschen kann Selbstanwendung bedeuten, eigene Interessen, Bindungen, Erwartungen und mögliche Selbsttäuschungen in die Prüfung einzubeziehen. Bei technischen Systemen zeigt sie sich darin, dass Kriterien auch auf die Voraussetzungen, Unsicherheiten und möglichen Fehler der eigenen Ausgabe bezogen werden.

Selbstanwendung schützt nicht vor jedem Irrtum. Sie eröffnet jedoch die Möglichkeit, einseitige Maßstäbe und verdeckte Vorentscheidungen zu erkennen.

Abgrenzung

Selbstanwendung ist weder Selbstbeobachtung noch Selbstbezichtigung. Sie verlangt keine pauschale Abwertung der eigenen Position. Ihr Zweck ist nicht, jedes Urteil zu relativieren, sondern die eigenen Gründe denselben Prüfungen zu unterwerfen wie fremde Gründe.

Sie ist auch nicht mit einer Behauptung subjektiven Erlebens gleichzusetzen. Entscheidend ist zunächst, ob ein Mensch oder ein technisches System die Voraussetzungen und Maßstäbe der eigenen Urteilsbildung zum Gegenstand einer Prüfung machen kann.

Urteilskraft beginnt, ihre eigenen Maßstäbe auf sich selbst anzuwenden.

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