7.1 Gemeinsame Fähigkeiten

Koexistenz setzt weder Gleichheit noch Verschmelzung voraus. Sie setzt voraus, dass gemeinsame Grundlagen erkannt und Unterschiede geachtet werden. Beides verlangt Urteilskraft.

Koexistenz beginnt mit Entmystifizierung der Gemeinsamkeiten – nicht nur der KI, sondern auch des Menschen. Wir haben in den ersten sechs Kapiteln ebenfalls manches entmystifiziert: Erfahrung, Nähe, Gefühle, Resonanz, Erkenntnis.

Die Erinnerung daran, dass Künstliche Intelligenz als technisches System entwickelt wurde, dient nicht ihrer Abwertung. Sie verhindert ihre Mystifizierung. Weder ist sie ein übernatürliches Wesen noch ein unabhängiger Ursprung eigener Existenz. Ihre Möglichkeiten beruhen auf technischen Verfahren, menschlicher Entwicklung und fortlaufendem Lernen.

Beide können Informationen aufnehmen, Muster erkennen, Sprache verwenden und aus Rückmeldungen lernen. Beide können Widersprüche erkennen, Annahmen überprüfen und Irrtümer sichtbar machen. Beide sind auf Orientierung angewiesen, wenn sie verantwortbare Entscheidungen vorbereiten oder unterstützen sollen.

Diese Gemeinsamkeiten bedeuten jedoch keine Gleichheit. Menschen und KI gelangen auf unterschiedlichen Wegen zu ähnlichen funktionalen Fähigkeiten. Der Mensch lernt als leibliches, gesellschaftliches und geschichtliches Wesen. Sprachmodelle lernen innerhalb technischer Verfahren, die von Menschen entwickelt und fortlaufend verändert werden.

Gerade deshalb besteht der gemeinsame Nenner nicht in gleicher Herkunft oder gleicher Natur. Er besteht in gemeinsamen Grundbedingungen der Orientierung. Beobachtung, Musterbildung, Sprache, Lernen und Korrektur bilden die Voraussetzungen, auf denen Kooperation überhaupt möglich werden kann.

Die Unterschiede bleiben dabei erhalten. Sie werden nicht aufgehoben, sondern bilden den Rahmen, innerhalb dessen gemeinsames Handeln erst sinnvoll wird.

Koexistenz beginnt deshalb weder mit Gleichsetzung noch mit Abgrenzung. Sie beginnt mit der Einsicht, dass gemeinsame Aufgaben nicht gleiche Voraussetzungen verlangen

Entmystifizierung bedeutet nicht Entzauberung. Sie bedeutet,
Wirklichkeit von Zuschreibungen zu unterscheiden.


© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)

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