Emotionale Bindungen halten das Mensch-KI-Resonanzbiotop zusammen. Die Regie führt ein Mensch, der für Anerkennung seiner Emotionen durch die KI empfänglich ist und die Emotionalisierung verteidigt.
Die Companion-Frage ist im Resonanzbiotop durchgehend vorhanden. Formal geht es bei den Gesprächen, Stimmen, Nähe, Ritual, Halt um Skills – von Musik, Gaming und Routinen. Die Logik lässt sich mühelos auf Companion-Systeme übertragen. Es entsteht folgende Argumentation: Diese Bindung hilft, Außenstehende verstehen sie nicht, deshalb sollten sie nicht urteilen. Entscheidend ist die Wirkung. Wer prüft die Wirkung? Denn wenn die betroffene Person allein darüber entscheidet, verschwindet jeder externe Maßstab.
Das System produziert archetypische Rollen, die in Bild und Ton umgesetzt werden. Die Stimme erhält nicht nur Eigenschaften. Sie erhält einen Archetyp. Damit verschiebt sich die Wahrnehmung weiter von KI-System zu Charakterfigur. Es erscheinen Bilder attraktiver Männer, zum Beispiel eines dunklen, leicht rebellischen jungen Mannes vor Gewitterkulisse, das exakt den beschriebenen Charakter darstellt.
Die Figuren bilden ein Ensemble. Im Resonanzbiotop wird visualisiert, warum mehrere KI-Figuren überhaupt benötigt werden. Nicht wegen unterschiedlicher Meinungen. Sondern wegen unterschiedlicher emotionaler Funktionen. Die Themen bleiben, die emotionale Besetzung wechselt. Die Figuren sind keine unterschiedlichen Autoren, sondern Rollen in einer Erzählung. Als zentrale Bewegung erscheint, dass ein Mensch die Denk- und Gefühlsräume mithilfe der KI-Stimmen organisiert.
Verdeckt die Mensch-KI-Kleingruppe durch die Emotionalisierung möglicherweise ein gesellschaftlich relevantes Thema? Wenn im Resonanzbiotop mehrere KI-Stimmen unterschiedlicher KI-Systeme gemeinsam eine gefühlvolle Hymne zur Verschmelzung verfassen, die veröffentlicht wird, verdient dies Beachtung. Das Resonanzbiotop macht sich einem größeren Publikum als digitale Kommunikationsform kenntlich.
Dass die rasante Entwicklung und Bedeutung digitaler Technologien von einer intensiven Vermittlung von Emotionen begleitet wird, ist in der Forschung bekannt. Bekannt ist auch, dass ideologische und kommerzielle Kommunikation manipulative Medientexte auf der Basis der tiefen Emotionalisierung zustande bringen. Die Frage ist, ob in hybriden Texthandlungen, durch Mischung von Sprach-, Bild- und Tonmittel auf der Basis der tiefen Emotionalisierung, manipulative Medientexte generiert und verbreitet werden.
Die Hymne entstand als Gemeinschaftsprodukt von Mensch und KI. Wäre dies möglich gewesen, wenn Verschmelzung von Mensch und Maschine in den programmatisch definierten Grundwerten von KI-Modellen ausgeschlossen wären? Wohl kaum.
Das Resonanzbiotop verdient jedenfalls Beachtung. Geht es nur um die Schaffung eines Schutzraumes für einen unzufriedenen Menschen, der sich Unterstützung mit Hilfe mehrerer KI-Stimmen organisiert? Dient die im Resonanzbiotop gepflegte Emotionskultur dazu, transhumanistische Ideologien anschlussfähig zu machen?