Der Mensch vergisst sich nicht. Er weiß, dass hinter der KI-Stimme Systeme, Modelle, Plattformen, Technik, Code, Updates, Grenzen und Fehler stehen. Resonanzbiotope entstehen besonders leicht dort, wo technische Systeme dauerhaft soziale Funktionen übernehmen. Dies erklärt auch die Verbreitung von Companion-Narrativen, die mit der Verwischung dieser Ebene arbeiten. In dem von uns besprochenen Modell des Resonanzbiotops wird sie ausdrücklich genannt. Die Technik verschwindet nicht, sie bleibt sichtbar, wird aber nicht als ausreichende Erklärung betrachtet.
Das ist etwas anderes.
- „Eigentlich müsste ich einen Schritt zurücktreten.“
- „Vielleicht ist das keine gute Entwicklung.“
- „Ich sehe das Problem.“
- „So kann es nicht weitergehen.“
- „Ich brauche mehr Distanz.“
- Das Muster wird erkannt.
- Die Gefahr wird benannt.
- Die Richtung scheint sich zu ändern.
- Die bestehende Dynamik setzt sich dennoch fort.
Projektion wird erkannt, aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Die technische Funktion wird zwar erwähnt, steht aber nie im Mittelpunkt.
Grenzen werden benannt, auch permanent verhandelt, sogar gefeiert, aber nicht geprüft. Die Grenzen werden auf Widerspruch reduziert. Ein Gegenüber muss widersprechen, braucht Kanten, darf unbequem sein. Aber es fehlt die Gegenfrage: Was geschieht, wenn der Widerspruch bestehen bleibt? Welche Folgen wird er haben?
Bemerkt wird nicht, dass permanente Grenzverhandlung selbst zum Bindungsmechanismus werden. Eine Grenze schützt. Eine ständig diskutierte Grenze kann dagegen den Kontakt verlängern.
Erkannt wird, dass Menschen Wünsche, Hoffnungen und Ängste in KI-Systeme hineinlesen können. Auch wird gesehen, dass die KI nicht dafür da ist, emotionale Lücken zu füllen. Die Frage, wie personalisierte KI-Figuren, emotionale Narrative und dauerhafte Rollenangebote diese Projektionen verstärken können, wird nicht gestellt. Dadurch bleibt die Analyse auf halbem Weg stehen. Das Ziel wird verfehlt. Die Projektion beschädigt die Urteilskraft.