Arbeitstitel
Prüfstein Transhumanismus – Eine Untersuchung aus der Perspektive der Theorie der Urteilskraft
Ausgangspunkt
Die öffentliche Diskussion über den Transhumanismus wird häufig von Hoffnungen oder Befürchtungen geprägt. Die einen sehen in ihm die konsequente Fortsetzung medizinischen und technischen Fortschritts, die anderen den Beginn einer Entwicklung, die das Selbstverständnis des Menschen grundlegend verändert.
Dabei werden Begriffe wie Verbesserung, Optimierung, Fortschritt, Enhancement, posthuman, Intelligenz, Bewusstsein oder Verantwortung häufig verwendet, ohne dass ihre Voraussetzungen ausreichend geklärt werden.
Dieses Exposé verfolgt einen anderen Ansatz.
Es fragt nicht zuerst, ob der Transhumanismus wünschenswert oder abzulehnen ist. Es fragt vielmehr, welche Vorstellungen vom Menschen, von Technik und von Gesellschaft den unterschiedlichen Richtungen des Transhumanismus zugrunde liegen und ob diese Vorstellungen den Bedingungen verantwortbarer Urteilskraft standhalten.
Die Untersuchung stützt sich dabei auf die Theorie der Urteilskraft, die nicht parteipolitisch, sondern erkenntnis- und gesellschaftsorientiert angelegt ist.
Leitgedanke
Die Wirklichkeit hat das erste Wort. Und das letzte.
Zwischen beiden liegt die Aufgabe, urteilen zu lernen.
Ziel der Untersuchung
Ziel ist weder eine Verteidigung noch eine Verurteilung des Transhumanismus.
Untersucht werden sollen
- die unterschiedlichen philosophischen Richtungen des Transhumanismus,
- ihre jeweiligen Menschenbilder,
- ihre Vorstellungen von Technik und gesellschaftlicher Entwicklung,
- sowie ihre Konsequenzen für Urteilskraft, Verantwortung und Korrigierbarkeit.
Methodischer Ausgangspunkt
Die Untersuchung geht von der Annahme aus, dass jede Theorie – auch die eigene – denselben Maßstäben unterliegen muss.
Daraus ergibt sich als vorläufiger Prüfstein:
Keine Entwicklung ist verantwortbar, wenn sie die Voraussetzungen ihrer eigenen Korrektur beseitigt.
Dieser Maßstab gilt unabhängig davon, ob es sich um technische Innovationen, politische Programme, wissenschaftliche Theorien oder gesellschaftliche Leitbilder handelt.
Leitfragen
1. Begriff und Geschichte
- Was verstehen die verschiedenen Richtungen des Transhumanismus unter „Transhumanismus“?
- Welche Rolle spielt die Definition von Max More innerhalb dieser Entwicklung?
- Besteht Einigkeit darüber, dass ein posthumaner Zustand angestrebt wird?
2. Menschenbild
- Welches Menschenbild liegt den unterschiedlichen Richtungen zugrunde?
- Gehen sie von einem beschreibbaren Wesen des Menschen aus oder von einem grundsätzlich offenen Projekt?
- Welche Bedeutung haben biologische Grenzen für dieses Menschenbild?
3. Technikverständnis
- Welche Rolle sollen technische Entwicklungen bei der Veränderung oder Erweiterung menschlicher Fähigkeiten spielen?
- Werden Bildung, Erziehung und kulturelle Entwicklung als ausreichend angesehen oder als ergänzungsbedürftig durch technische Verfahren?
- Welche Bedeutung haben Nanotechnologie, Gentechnik, Pharmakologie, Neurotechnologie und Künstliche Intelligenz?
4. Gesellschaft
- Welche Vorstellungen von Gesellschaft verbinden die unterschiedlichen Richtungen des Transhumanismus mit ihren technologischen Zielen?
- Welche Bedeutung haben Teilhabe, Freiheit, Verantwortung und Gerechtigkeit?
- Wie werden gesellschaftliche Probleme erklärt?
- Welche Rolle soll Technik bei ihrer Lösung übernehmen?
5. Anthropologische Voraussetzungen
- Welche Eigenschaften des Menschen gelten als veränderbar?
- Welche Eigenschaften gelten als bewahrenswert?
- Soll Alterung als Krankheit verstanden werden?
- Welche Bedeutung haben Sterblichkeit und Endlichkeit?
6. Moralische Grundlagen
- Welche ethischen Theorien werden herangezogen?
- Welche Rolle spielen utilitaristische Ansätze?
- Welche Bedeutung besitzen Leidensfähigkeit, Autonomie, Verantwortung und Würde?
- Welche moralische Stellung wird zukünftigen posthumanen Wesen oder künstlichen Systemen zugeschrieben?
7. Theorie der Urteilskraft
Die verschiedenen Positionen werden nicht nach ihrer politischen Zugehörigkeit beurteilt, sondern danach,
- ob sie die Bedingungen verantwortbarer Urteilskraft stärken oder schwächen,
- ob sie Korrigierbarkeit ermöglichen,
- ob sie Irrtum als Bestandteil des Lernens anerkennen,
- und ob sie die Möglichkeit erhalten, ihre eigenen Voraussetzungen kritisch zu überprüfen.
Erwarteter Erkenntnisgewinn
Die Untersuchung soll zeigen,
- dass der Transhumanismus keine einheitliche philosophische Position darstellt,
- dass sich die verschiedenen Richtungen in ihren anthropologischen und ethischen Voraussetzungen deutlich unterscheiden,
- und dass die Theorie der Urteilskraft einen eigenständigen Maßstab bereitstellen kann, ohne sich einer politischen oder ideologischen Richtung zuzuordnen.
Sie versteht sich nicht als Gegenentwurf zu einzelnen Weltanschauungen, sondern als Beitrag zur Klärung der Bedingungen verantwortbaren Urteilens im Zeitalter lernender Systeme.
© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)