Entwurf
Nachdem wir das Menschenverständnis als Ausgangspunkt jeder anthropologischen Theorie betrachtet haben, richtet sich der Blick nun auf das Verständnis von Technik. Dabei geht es nicht um einzelne Erfindungen oder Anwendungen. Technik ist mehr als die Summe ihrer Werkzeuge. Sie ist Ausdruck einer bestimmten Vorstellung davon, was der Mensch ist, was ihm fehlt und wohin seine Entwicklung führen soll.
Deshalb beginnt auch dieses Kapitel nicht mit einer Bewertung. Die Frage lautet zunächst:
Was versteht der Transhumanismus unter Technik?
In vielen Darstellungen erscheint Technik als Fortsetzung menschlicher Entwicklung. Sie soll körperliche Grenzen überwinden, geistige Fähigkeiten erweitern, Krankheiten beseitigen und die Lebensspanne verlängern. Technik wird dabei nicht mehr ausschließlich als äußeres Werkzeug verstanden, sondern zunehmend als Bestandteil des Menschen selbst. Die Grenze zwischen Werkzeug und Anwender beginnt zu verschwimmen.
Dieses Technikverständnis unterscheidet sich grundlegend von einem Verständnis, das Technik als Mittel betrachtet. Ein Hammer verändert nicht den Menschen, sondern erleichtert eine Tätigkeit. Eine Brille verbessert das Sehen, ohne den Menschen neu zu definieren. Auch ein Herzschrittmacher dient der Wiederherstellung einer körperlichen Funktion. Technik steht hier im Dienst des Menschen.
Im transhumanistischen Denken verschiebt sich diese Beziehung. Technik dient nicht nur der Unterstützung, sondern wird selbst zum Motor menschlicher Entwicklung. Der Mensch erscheint nicht mehr als Maßstab der Technik. Vielmehr wird Technik zum Maßstab des Menschen. Seine Fähigkeiten gelten nicht mehr als gegebene Bedingungen, sondern als veränderbare Ausgangspunkte weiterer Optimierung.
Diese Verschiebung hat weitreichende Folgen. Denn sobald Technik nicht mehr Werkzeug, sondern Entwicklungsprinzip wird, verändert sich auch die Frage nach dem Menschen. Was bisher als menschliche Grenze verstanden wurde, erscheint nun als technisches Problem. Was bisher als Bedingung menschlicher Existenz galt, wird zu einer Herausforderung, die überwunden werden soll.
Damit entsteht eine neue Sicht auf Fortschritt. Fortschritt bedeutet nicht mehr allein, die Lebensbedingungen des Menschen zu verbessern. Fortschritt bedeutet zunehmend, den Menschen selbst zu verändern.
An dieser Stelle endet jedoch zunächst die Beschreibung. Die Theorie der Urteilskraft fragt nicht vorschnell, ob diese Entwicklung gut oder schlecht ist. Sie stellt zunächst eine andere Frage:
Welche Vorstellung vom Menschen wird durch dieses Technikverständnis vorausgesetzt?
Erst wenn diese Voraussetzung sichtbar geworden ist, lässt sich prüfen, welche ethischen Konsequenzen daraus folgen und ob die Bedingungen menschlicher Urteilskraft, Verantwortung und Korrekturfähigkeit erhalten bleiben.
© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)