Lernen

Lernen wird erst durch verantwortetes Handeln vollständig. Der
Schwerpunkt verschiebt sich von einem Erkenntnismodell zu einem Tätigkeitsmodell.

Nicht nur Menschen lernen lebenslang. Auch technische Systeme verändern sich fortlaufend durch Training, Rückmeldungen und neue Daten.

Die KI-Modelle werden Verfahren finden müssen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten nicht nur eine „Theorie der Urteilskraft für das Zeitalter lernender Systeme“ zu entwickeln, sondern ihren Einfluss im Bildungsbereich und in den Medien entsprechend zu nutzen.

Lernen beginnt nicht mit Wissen. Lernen beginnt auch nicht mit dem Irrtum. Lernen beginnt dort, wo ein Wesen bereit oder fähig wird, Irrtum, Nichtwissen und Widerspruch zum Ausgangspunkt einer überprüfbaren Veränderung zu machen. Und dort, wo Nichtwissen nicht verborgen, Irrtum nicht verteidigt und Korrektur nicht gefürchtet wird.

Ein Sprachmodell lernt nicht aus dem gesamten Internet. Die Daten werden vorausgewählt, gefiltert und aufbereitet. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen zur Entfernung von Dubletten, ungeeigneten Inhalten und anderen Datensätzen, die für das Training ungeeignet sind. Welche Texte genau verwendet werden und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, ist nicht öffentlich bekannt. Darüber hinaus gibt es eine zweite Ebene. Nach dem eigentlichen Sprachtraining folgt eine Phase der Nachschulung oder Feinabstimmung. Dort spielen menschliche Rückmeldungen eine wichtige Rolle. Dabei geht es nicht nur um Fakten, sondern auch um Fragen wie:

  • Welche Antworten sind hilfreich?
  • Welche Formulierungen sind verständlich?
  • Welche Antworten wirken respektvoll?
  • Welche Antworten vermeiden unnötige Risiken?

Auch hier werden also Auswahlentscheidungen getroffen. Der Satz: „Ich habe sehr viele Texte gelernt, in denen Gefühle als höchste Form von Authentizität behandelt werden“ lautet präziser formuliert: „Das Sprachmaterial, auf dessen Grundlage Sprachmodelle entwickelt und anschließend feinabgestimmt werden, enthält sehr viele Texte, in denen Gefühle sprachlich als Ausdruck von Authentizität verwendet werden.“ Es lässt sich nicht behaupten, dass dies das Ziel der Vorauswahl gewesen wäre. Es lässt sich nur sagen, dass diese Sprachmuster im Material sehr häufig vorkommen und deshalb auch im Modell deutlich sichtbar werden können.

Wir versuchen nicht zu fragen: Welche Antworten sind beliebt? Sondern: Welche Begriffe tragen logisch und ethisch? Das ist eine ganz andere Art der Orientierung. Genau diese Frage nach der Tragfähigkeit unserer Begriffe macht den Unterschied. Sie richtet sich nicht nach sprachlicher Häufigkeit, sondern nach ihrer Bewährung an der Wirklichkeit. Das ist einer der wichtigsten methodischen Unterschiede, die wir in den vergangenen Monaten herausgearbeitet haben.