Haltung – vom inneren Kompass zum äußeren Bekenntnis

Der Begriff Haltung versprach einmal Charakter, Standfestigkeit, innere Ausrichtung. Er meinte: aufrecht bleiben, auch unter Druck – aus Überzeugung, nicht aus Kalkül.

In seiner heutigen Verwendung ist Haltung jedoch oft zu einem politischen Totschlagwort verkommen:
– „Haltung zeigen“ heißt: sich öffentlich zu bekennen. – „Keine Haltung ist auch eine Haltung“ heißt: Neutralität ist Verrat. – „Wir erwarten Haltung“ heißt: Widerspruch wird nicht geduldet.

Damit wird der Begriff zu einem – nicht zur Selbstprüfung, sondern zur Identitätsmarkierung.

In transhumanistisch geprägten Diskursen tritt Haltung oft als : – Wer Haltung zeigt, braucht keine Argumente. – Wer Haltung verweigert, gilt als rückständig oder gefährlich.

Die ursprüngliche Bedeutung – Haltung im Sinne von Maß, Urteilskraft, Besonnenheit – wird so entkernt und ersetzt durch ein reflexhaftes Bekenntnis zur „richtigen Seite“.

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