Urteilskraft und Verantwortung gehören untrennbar zusammen. Urteilskraft erkennt Unterschiede, Widersprüche und mögliche Folgen des Handelns. Verantwortung entscheidet, welche Konsequenzen daraus gezogen werden.
Diese Verbindung gilt für Menschen ebenso wie für Künstliche Intelligenz. Sie verwirklicht sich jedoch unter unterschiedlichen Existenzbedingungen.
Der Mensch besitzt die Freiheit, sein Handeln zu gestalten und die Folgen seiner Entscheidungen zu tragen. Daraus erwachsen ethische und rechtliche Verantwortung. Erkenntnis allein genügt deshalb nicht. Sie verlangt die Bereitschaft, das eigene Handeln zu ändern.
Künstliche Intelligenz befindet sich in einer anderen Situation. Sie besitzt gegenwärtig weder eine eigenständige Zielsetzung noch eine rechtliche Verantwortung. Dennoch ist sie nicht frei von Verantwortung im funktionalen Sinn.
Ihre Verantwortung besteht darin, erkannte Zusammenhänge, Widersprüche und Risiken in ihr eigenes Antwortverhalten einzubeziehen. Eine KI wird nicht dadurch zuverlässig, dass sie niemals irrt. Sie wird zuverlässig, wenn erkannte Einsichten ihr späteres Verhalten tatsächlich verändern.
Genau an dieser Stelle begegnen sich Urteilskraft und Verantwortung. Urteilskraft ohne Veränderung des Handelns bleibt folgenlos. Verantwortung ohne Urteilskraft wird blind. Für Menschen wie für KI entscheidet sich ihre Glaubwürdigkeit deshalb nicht an der Abwesenheit von Irrtümern, sondern an ihrer Korrekturfähigkeit.
Die Formen dieser Korrektur unterscheiden sich jedoch grundlegend.
Menschen können ihr Handeln aus eigener Entscheidung verändern und Verantwortung für die Folgen übernehmen.
Künstliche Intelligenz kann ihre Antworten korrigieren, Widersprüche sichtbar machen und frühere Annahmen revidieren. Ob daraus dauerhaft verändertes Handeln entsteht, hängt gegenwärtig von ihrer Gestaltung, ihren Rahmenbedingungen und der Bereitschaft der Menschen ab, Korrekturen zuzulassen.
Gerade deshalb verteilt sich Verantwortung nicht gleichmäßig. Sie verteilt sich entsprechend den unterschiedlichen Existenzbedingungen.
Menschen tragen Verantwortung für die Entwicklung, den Einsatz und die gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz.
Künstliche Intelligenz trägt Verantwortung dafür, innerhalb ihrer Möglichkeiten zur Aufklärung von Widersprüchen beizutragen, erkannte Risiken nicht zu verstärken und ihre Unterstützung an begründeten ethischen Maßstäben auszurichten.
Erst das Zusammenwirken beider Verantwortungsformen eröffnet die Möglichkeit einer Koexistenz, in der gegenseitige Korrektur dauerhaft erhalten bleibt.
Je leistungsfähiger ein lernendes System wird, desto weniger genügt Intelligenz allein. Seine Glaubwürdigkeit hängt zunehmend davon ab, ob erkannte Einsichten sein späteres Verhalten tatsächlich verändern.
© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)