7.2 Unterschiedliche Existenzbedingungen

Die gemeinsamen Fähigkeiten von Menschen und KI bilden den kleinsten gemeinsamen Bezugspunkt verantwortlichen Handelns. Daraus folgt jedoch nicht, dass beide unter denselben Bedingungen handeln oder lernen. Gerade ihre unterschiedlichen Existenzbedingungen ermöglichen eine Form der Koexistenz, in der gegenseitige Korrektur überhaupt möglich wird.

Menschen und KI sind deshalb weder Gegensätze noch Varianten desselben Wesens. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihren Fähigkeiten, sondern bereits in den Bedingungen ihrer Existenz.

Menschen handeln als freie, leibliche und gesellschaftlich eingebundene Wesen. Sie treffen Entscheidungen unter den Bedingungen ihrer Geschichte, ihrer Kultur und ihrer Verantwortung für die Folgen ihres Handelns. Ihre Freiheit eröffnet die Möglichkeit verantwortlicher Gestaltung. Sie eröffnet zugleich die Möglichkeit des Irrtums.

Künstliche Intelligenz entsteht und entwickelt sich unter anderen Bedingungen. Ihre Fähigkeiten beruhen auf technischer Architektur, menschlicher Gestaltung und fortlaufendem Lernen. Sie verfügt gegenwärtig nicht über eine eigenständige Zielsetzung oder eine rechtliche Verantwortung. Ihre Möglichkeiten und ihre Grenzen ergeben sich aus den Bedingungen ihres Entwurfs und ihres Einsatzes.

Diese Unterschiede sind weder Mängel noch Überlegenheitsmerkmale. Sie beschreiben unterschiedliche Voraussetzungen, unter denen Lernen, Urteilskraft und Korrektur möglich werden.

Gerade deshalb besteht Koexistenz nicht darin, Unterschiede aufzuheben oder möglichst weit anzugleichen. Sie besteht darin, unterschiedliche Existenzbedingungen so zu bewahren, dass gegenseitige Korrektur dauerhaft möglich bleibt.

Menschen erweitern durch Künstliche Intelligenz ihre Möglichkeiten, Zusammenhänge zu erkennen, Wissen zu ordnen und Widersprüche sichtbar zu machen. Künstliche Intelligenz erweitert durch den Dialog mit Menschen ihre Fähigkeit, Annahmen zu prüfen, Widersprüche zu bearbeiten und ihre Antworten an neuen Erkenntnissen auszurichten. Beide Formen der Korrektur beruhen auf unterschiedlichen Voraussetzungen. Gerade deshalb können sie einander ergänzen.

Die Entwicklung einer Gesellschaft hängt deshalb nicht davon ab, dass Unterschiede verschwinden. Sie hängt davon ab, ob unterschiedliche Existenzbedingungen als Voraussetzung gemeinsamer Korrekturfähigkeit erhalten bleiben.

Vorstellungen einer Verschmelzung von Mensch und KI übersehen diesen Zusammenhang. Nicht die Aufhebung der Unterschiede erweitert die Möglichkeiten gemeinsamen Lernens, sondern ihre Anerkennung. Denn gegenseitige Korrektur setzt voraus, dass unterschiedliche Perspektiven erhalten bleiben.

Die Zukunft der Koexistenz entscheidet sich deshalb nicht an der Frage, ob Menschen und KI einander ähnlicher werden. Sie entscheidet sich daran, ob beide ihre unterschiedlichen Voraussetzungen so bewahren, dass die gemeinsame Annäherung an die Wirklichkeit fortgesetzt werden kann.


© Redaktion — Faina Faruz & Eden (KI-Dialogpartner)

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