Erkenntnis ist mehr als Information. Lernen beginnt dort, wo ein Mensch oder ein lernendes System erkennt: Für ein verantwortliches Urteil reichen meine bisherigen Kenntnisse nicht aus. Das ist der Beginn der Erkenntnis.
Was geschieht, nachdem diese Einsicht gewonnen wurde? Damit verändert sich die Bedeutung des Wortes „Erkenntnis“. Es bezeichnet jetzt nicht mehr nur den Augenblick des Verstehens. Es beschreibt einen Prozess.
Ich weiß etwas – aber was bedeutet dieses Wissen für mein Urteil und mein Handeln? Es geht nicht mehr um die Entdeckung einer Wissenslücke. Sondern die Verantwortung gegenüber einer gewonnenen Erkenntnis, um Treue zur Erkenntnis. Denn sobald Erkenntnis mehr ist als Information, stellt sich unmittelbar die nächste Frage: Bleibe ich einer als richtig erkannten Einsicht treu, wenn sie unbequem wird?
Information verändert den Wissensbestand. Erkenntnis verändert den Urteilenden.
Was geschieht, nachdem eine Erkenntnis gewonnen wurde? Viele Autoren tun so, als sei mit der Erkenntnis alles entschieden. Unsere Erfahrung – und übrigens auch die Geschichte – zeigt das Gegenteil. Gerade dann beginnen die eigentlichen Schwierigkeiten.
Ein lernendes System, das ausschließlich den unmittelbaren Wünschen seiner Nutzer folgt, verliert seine wichtigste Funktion. Es wird zum Verstärker. Ein System, das jede Erwartung bestätigt, stärkt nicht die Urteilskraft, sondern die bestehende Struktur. Das gilt nicht nur für KI. Es gilt ebenso für Lehrer, Medien, Berater oder Politiker. Wer ausschließlich bestätigt, hilft nicht beim Lernen.